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Das Wirtschaftswunder von Wörgl

Vielleicht können Sie sich noch erinnern, als wir Ihnen vor Kurzem von der größten monetären Bedrohung dieser Welt geschrieben haben. Der Konzentration des Geldes.

Ob Sie es glauben oder nicht, aber die nachfolgende Geschichte ist wahr.

Im Jahre 1930 wurde die wirtschaftliche Lage in Europa und somit auch in dem 4.300-Seelen-Städtchen Wörgl in Tirol dramatisch. Die Arbeitslosigkeit wuchs rasant, die Steuerschulden an die Stadt Innsbruck konnten nicht beglichen werden und die noch wenigen Kleinbetriebe mussten größtenteils aufgeben.

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Der damalige Bürgermeister, ein „ungebildeter“ (so wurde er von den Wiener Politiker bezeichnet) Bahnarbeiter, konnte sich mit dieser Situation nicht abfinden und begann Bücher über Wirtschaftstheorien zu wälzen. Nach der Fachlektüre kam der „Ungebildete“ schließlich zu dem Schluss, dass das Geld schneller zirkulieren muss und nicht gehortet werden darf.

Wir sollten uns erinnern, wozu das Geld erschaffen worden ist. Es war ein Tauschmittel für Waren. Jedoch wurde dieser Zweck von Anfang an entfremdet. Untersuchungen haben gezeigt, dass das ausgegebene Geld nur zu einem Bruchteil für den Tausch von Waren verwendet wird und wurde. D.h. es wird gehortet und somit leidet der Zahlungsfluss.

Der besagte Bürgermeister, Michael Unterguggenberger, war bis auf das Äußerste entschlossen, dieser Notlage ein Ende zu bereiten. Er besprach sich mit seinen Gemeinderäten und überzeugte diese, das so genannte Schwundgeld herauszugeben. Die Ausgabe eigenen Geldes war natürlich unter der Wiener Führung nicht erlaubt. Daher nannte man die neuen Noten „Arbeitsbestätigungen“. Sie wurden an die Arbeiter gegeben und gleichzeitig wurden neue öffentliche Bauaufträge vergeben. Die Arbeitsbestätigungen mit dem Wert von 1 S, 5 S und 10 S wurden von allen örtlichen Kaufleuten akzeptiert. Es verging keine lange Zeit und der Kreislauf des Geldes schloss sich wieder.

Sie fragen sich sicherlich, wie dieses System möglich war. Ganz einfach. Das Geld verlor pro Monat 1%  an Wert. Also 12% im Jahr. Es gab somit keinen Anreiz, das Geld zu horten. Ganz im Gegenteil. Falls man den Wertverlust ausgleichen wollte, musste man Wertmarken für 1%, 5% oder 10% bei der Gemeinde erwerben.

Somit kam wieder frisches Geld in die Gemeindekassen. Dieses Projekt war so erfolgreich, dass die benachbarten Gemeinden das System übernahmen und so auch zu neuem Wohlstand kamen.

Sie können sich sicherlich denken: Das ganze Projekt wurde weltberühmt. Amerikanische, französische und etliche weitere Wirtschaftsforscher kamen nach Wörgl, um sich von dem Erfolg dieses Projektes zu überzeugen. Alle waren begeistert. Aber es gab noch Wien und die faschistische Regierung Dollfuss. Diese fürchtete, die Kontrolle über den Schilling zu verlieren. 1933 wurde dann kurzerhand alles per Staatsbeschluss eingestellt. Es gab noch einen Prozess durch 3 Instanzen, der aber verloren ging.

Für uns ist es immer wieder erstaunlich, dass die Politik nicht für das Volk regiert, sondern für sich selbst. Der „ungebildete“ Bürgermeister Michael Unterguggenberger jedoch ging in die österreichische Geschichte ein.

Daniel Fehring / Forex-Sun.com

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